Den Film kenne ich schon ...
Passiert es Ihnen auch manchmal, dass Sie das Fernsehen einschalten und mitten in einen Film geraten, der Ihnen merkwürdig vertraut vorkommt? „Den Film kenne ich schon!“ - nicht nur im Fernsehen wittern wir oft Wiederholungen, auch wenn es manchmal gar keine sind.
Das Gleiche passiert häufig im Job: Situationen mit dem Vorgesetzten oder mit Kollegen wirken uns allzu vertraut. Und wenn ähnliche Situationen unseren Z-Faktor in der Vergangenheit beschädigt haben, dann assoziieren wir automatisch, dass die neue Situation ganz ähnlich verlaufen wird und wir wieder nur den Kürzeren ziehen können.
Dementsprechend verhalten wir uns dann auch und - siehe da - es wird genau so kommen, wie wir es vorher ja schon gewusst haben. Wir kannten den Film ja schon.
Viel zu selten wird uns bewusst, wenn wir in eine solche Situation geraten. Und noch viel weniger wird uns in solchen Momenten klar, dass wir ja selbst alles dafür tun, dass sich unsere Erwartungen und Befürchtungen erfüllen.
Das „Den Film kenne ich schon“ wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Wir achten gar nicht mehr auf die Untertöne und Zwischenebenen, sondern uns ist klar, worauf das alles hinaus läuft. Beim Krimi sind wir dann vielleicht irgendwann irritiert, dass sich die Story doch anders entwickelte, als es uns unsere Erinnerung sagte, und im Nachhinein können wir nicht sagen, wann die Handlung „gekippt“ ist. Im wahren Leben aber sind wir nicht nur passive Konsumenten, sondern auch Akteure in unserem eigenen Film. Und dann tun wir oft alles, damit der sich genau so entwickelt wie wir es erwarten - auch wenn wir uns eigentlich ein ganz anderes Ende wünschen würden.
Lassen Sie es nicht so weit kommen! Bekämpfen Sie den „Den Film kenne ich schon“-Effekt. Lassen Sie sich auf die neue Situation vorbehaltlos ein. Und tun Sie alles, damit die Situation einen für Sie positiven Ausgang nimmt. Vergessen Sie nicht: Sie sind nicht nur Zuschauer, sondern auch Akteur!
Zu wenig und zu viel ist gleich sehr unvollkommen; im Ernst ist und im Spiel das rechte Maß willkommen.
— Friedrich Rückert
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