Die Antriebsfeder für die Zukunft…
Wieder einmal eine Leserfrage an den Zufriedenheitscoach: “Ich bin so erzogen worden, dass Unzufriedenheit die Antriebsfeder für die Zukunft ist. Zufrieden zu sein war immer verpönt, hatte immer etwas von Faulenzen und Nichtstun. Nun sagen Sie, man habe eine Recht auf Zufriedenheit ... aber irgendwie widerstrebt mir diese Vorstellung.”
Diese und ähnliche Reaktionen erlebe ich häufig - Sie sind also nicht allein. Und natürlich steckt ein wahrer Kern darin, dass Unzufriedenheit eine Antriebsfeder für uns ist, die Zukunft zu verändern. Aber es gibt eine positive und eine negative Unzufriedenheit. Die positive Unzufriedenheit nenne ich lieber eine innere Unruhe - oder auch: eine Motivation. Sie ist eine positive Triebfeder.
Viele Menschen, mit denen ich zu tun habe, leiden in ihrem Job aber eher unter einer negativen Unzufriedenheit. Sie ändern nichts, sondern ergeben sich ihrem Schicksal zwangsläufig. Hier ist die Unzufriedenheit nicht Motivation ... vielmehr wird sie zur Demotivation!
Viele schließen daraus, dass Unzufriedenheit motivierend wirken kann, im Umkehrschluss, dass Zufriedenheit Stillstand bedeuten müsse: ein Leben im Schaukelstuhl, bei dem das eigentlich Entscheidende unbemerkt an einem vorüberzieht. Aber die obige Unterscheidung zeigt schon, dass dies eben nicht immer stimmt - nach meiner Erfahrung stimmt es nicht mal in 50 Prozent der Fälle.
Es besteht eben ein großer Unterschied zwischen Zufriedenheit und Stillstand: Es ist vielfach der Unzufriedene, der aus den negativen Erfahrungen der vergangenen fünf Jahre schließt, dass die kommenden fünf genauso ablaufen. Der Zufriedene hingegen lebt im Jetzt und freut sich auf jede neue Erfahrung, um das Beste im Rahmen seiner Möglichkeiten daraus zu machen.
Zufriedenheit sollte nicht mit Inaktivität verwechselt werden. Vielmehr geht es um das bewusste Erleben und Gestalten, während Unzufriedenheit häufig zu Stagnation und Frustration führt, da man aus der Unzufriedenheit eben nicht aktiv gestaltet.
Unzufriedenheit wird daher nur dann zur Triebfeder, wenn es einen starken Antrieb zur Veränderung gibt - und den Glauben daran, die Situation ändern zu können. Insofern gibt es zwei Arten von Unzufriedenheit - eine lähmende und eine motivierende. Wichtig ist es daher, sich zu erlauben, Zufriedenheit zuzulassen, darauf hinzuarbeiten und sie bewusst zu er-LEBEN.
Fragen Sie sich: Wie nutzen Sie Ihre Unzufriedenheit?
Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unseren Kleidern.
— Heinrich Heine
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