Kommunizieren Sie zielgerichtet?
Himmel, was für eine Frage. Natürlich kommunizieren Sie zielgerichtet, nicht wahr? Schließlich sind wir tagein, tagaus damit beschäftigt, uns mit unseren Mitmenschen abzustimmen. Mündliche Kommunikation. Schriftliche Kommunikation. Ja, sogar nonverbale Kommunikation bestimmt unseren Tagesablauf. Geht gar nicht anders. Und wir haben es ja auch gelernt, uns auszudrücken und miteinander auszutauschen. Erlauben Sie mir trotzdem die Frage: Tun wir das immer zielgerichtet?
Immer wieder stelle ich nämlich fest, dass sich jemand bitterlich darüber beklagt, dass ihn der Chef übergeht, die Kollegen mobben, er längst eine Gehaltserhöhung verdient hätte, sich ungerecht behandelt fühlt etc. pp.
Wir machen selten einen Hehl daraus, dass wir unzufrieden sind. Aber wir sprechen nicht mit dem Chef, nicht mit den Kollegen. Wir sprechen lieber über sie. Wir versuchen nicht mal, der Ursache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, wie man sie abstellen könnte: Gerade neulich kam wieder einmal das Thema „Ich verdiene zu wenig“ auf. Als ich aber fragte, ob mein Gesprächspartner einmal seinen Chef um eine Gehaltserhöhung gebeten, und wie dieser reagiert habe, erntete ich nur Verwunderung. „Das werde ich doch nicht ansprechen. Diese Blöße gebe ich mir nicht!“
Tja, und daher ist die Frage durchaus berechtigt, wie zielgerichtet die eigene Kommunikation ist. Es mag befreiend sein, Familie, Freunden und Bekannten davon zu erzählen, wie unfair die Situation ist. Doch das kann die Situation nicht ändern. Wer etwas erreichen will, der muss die Themen dort ansprechen, wo eine Veränderung möglich ist. Das ist keine Blöße, sondern notwendige, zielgerichtete Kommunikation!
Wer nie nach einer Gehaltserhöhung fragt, der wird sie auch nicht bekommen. Wer nicht in der konkreten Situation anspricht, dass er sich unwohl und unfair behandelt fühlt, der vergibt die Chance, die Situation zu verändern ... oder auch nur aus der Sicht des Gegenübers kennenzulernen.
Und es kommt noch etwas anderes hinzu: Wer sich in der Opferrolle begibt, der leistet seiner Unzufriedenheit Vorschub - er kann ja eh nichts ändern. Wer aber aktiv agiert und Probleme thematisiert, der wird zu Fürsprecher in eigener Sache. Und allein das Wissen, sich nicht einfach der Situation zu ergeben, steigert schon den eigenen Z-Faktor!
Frei, glücklich und erfolgreich kann man nur sein, wenn man viele allgemein verbreitete, aber überschätzte Dinge aufgibt.
— Robert Henri
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