Kompromisse
Kürzlich traf ich mich mit einer lieben Freundin beim Italiener - bei der Bestellung meinte sie bedauernd, sie dürfe sich ja nur einen Salat leisten. Gestern ein Gespräch mit einem Kollegen: »Diesmal fahren wir ja nur nach Sizilien…« Und neulich bei einer Seminar-Vorstellungsrunde meinte eine Teilnehmerin: »Ich bin ja nur aus der Buchhaltung…« — Merken Sie was?
Ständig konfrontieren wir uns selbst damit, dass wir unliebsame Kompromisse eingehen. »Nur« ist eines dieser kleinen Worte, die uns davor bewahren, zufrieden sein zu müssen. Manchmal ist Unzufriedenheit ja auch so schon praktisch.
Aber mal ehrlich: Sind diese Kompromisse denn wirklich welche? Wer sagt uns, dass wir uns »nur« einen Salat leisten können? Die Geldbörse? Die Diät? Die Erwartungen des Gegenübers? Gibt es überhaupt eine Rechtfertigung, sich hier selbst einen Kompromiss aufzuerlegen?
Und, Entschuldigung, was heißt eigentlich »nur nach Sizilien«? Ich kenne viele, die sich einen Sizilien-Urlaub in diesem Jahr sicher nicht leisten könnten. Und ich weiß auch, dass der Kollege es sich im Urlaub zweifellos gutgehen lassen wird. Das »nur« ist bei ihm eher der Familie geschuldet, da er sich mit seinem Urlaubsziel nicht so recht durchsetzen konnte.
Schlimm für den eigenen Z-Faktor aber wird es, wenn man sich selbst erniedrigt. Wenn der Kompromiss zur Ausrede wird, warum man nicht das Beste aus der Situation gemacht hat. Wenn man selbst daran glaubt, dass man zum Opfer der Situation wird.
Denken Sie mal einen Moment weiter: Wenn ich den Salat als unliebsamen Kompromiss ansehe, wird er mir dann besonders gut schmecken? Wenn der Urlaubsort ein Kompromiss ist, werde ich dann nicht besonders auf alles achten, was nicht so toll ist? Und wenn ich meinen Job als Kompromiss ansehe, programmiere ich mich dann nicht automatisch auf Unzufriedenheit?
Achten Sie einmal darauf, wie oft Sie Kompromisse eingehen und wann Sie das Wörtchen »nur« als Ausrede einsetzen und sich so in Ihrer Erwartungshaltung programmieren.
Fragen Sie sich vor allem auch, warum Sie den Kompromiss als solchen empfinden - und warum Sie ihn dann eingehen: Entweder haben Sie einen guten Grund - dann aber können Sie das »nur« streichen - oder Sie haben keinen - dann sollten Sie noch einmal über die Entscheidungsfindung nachdenken.
Geld: ein Mittel, um alles zu haben bis auf einen aufrichtigen Freund, eine uneigennützige Geliebte und eine gute Gesundheit.
— George Bernard Shaw
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