Mut und Ausdauer
Eine Leserin schrieb mir dieser Tage, sie sei völlig verzweifelt, weil sich in ihrem Job so gar nichts zum Besseren wendet. Sie hoffe immer wieder, aber es passiere nichts. Jetzt, nach den Feiertagen und dem Jahreswechsel habe sie auf einen Neuanfang gehofft, aber wieder gehe ich im alten Trott weiter.
Die Zuschrift klang ziemlich verzweifelt, auch wenn ich nicht ganz herauslesen konnte, was sich denn hätte verändern sollen und weshalb. Ich kontaktierte sie also und versuchte, zunächst einmal Antworten darauf zu finden. Meine Fragen danach konnte sie aber gar nicht verstehen: „Wie meinen Sie das? Es muss sich doch was ändern - so geht es ja nicht weiter…“
Im Laufe des Gesprächs wurde klar, dass hier die Krux lag. Wie ich schon vermutet hatte: Die Unzufriedenheit der jungen Frau war sehr real, aber sie hatte keine Vision für sich, stieß keine Änderungen an, um zu mehr Zufriedenheit zu finden. Stattdessen hoffte sie auf Impulse von außen. Und so war sie schließlich auch bei mir gelandet.
„Wenn Columbus immer denselben Seeweg genommen oder bei den ersten auftretenden Schwierigkeiten umgekehrt wäre, dann hätte er nie Amerika entdeckt!“
Das leuchtete ihr wohl ein, aber sie konnte es nicht auf ihr Verhalten übertragen. Sie sei ja keine Entdeckerin, sondern Sachbearbeiterin. Und sie könne ja auch nichts ändern ... zumal ihr Chef ja wisse, dass es so nicht weitergehe. Aber es ändere sich trotzdem nichts.
Den Part darüber, ob man seinem Chef die Verantwortung für die eigene Zufriedenheit im Job überlassen sollte, erspare ich Ihnen. Was ich Ihnen aber mit auf den Weg geben möchte: Ich glaube durchaus, dass wir alle in gewissem Maße Entdecker sein sollten. Dass wir uns auf eine Entdeckungsreise begeben sollten, was uns wirklich bewegt, uns zufrieden macht und was unser wahrer Weg ist.
Dazu gehört Mut - der Mut, Veränderungen zu initiieren. Und es gehört dazu Ausdauer - sich nicht von den ersten Rückschlägen abschrecken zu lassen. Letztlich sind wir selbst die Navigatoren, die für unseren Lebensweg verantwortlich sind.
Die junge Frau musste sich schließlich eingestehen, dass sie nie etwas unternommen hatte, um ihre Situation zu ändern. Sie hatte immer darauf gewartet, dass andere die Verantwortung übernehmen. Jetzt wird sie zunächst gezielt das Gespräch mit ihrem Vorgesetzten suchen. Und wenn sich nichts ändert, dann wird sie sich wohl einen anderen Arbeitsplatz suchen. Sie will mich über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten…
Aber Hand aufs Herz: Wie steht es mit Ihrem Mut und Ihrer Ausdauer, Veränderungen zu initiieren? Oder warten Sie auch darauf, dass sich die Dinge von selbst zum Besseren wenden?
Glaube mir, dass eine Stunde der Begeisterung mehr gibt als ein Jahr gleichmäßig und einförmig dahinziehenden Lebens.
— Christian Morgenstern
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