Von Partysalaten, Zufriedenheit und Zielsetzung
Wir denken nur selten gezielt darüber nach, was unsere Zufriedenheit nachhaltig stärkt. Aber dafür mal ein paar Minuten aufzuwenden, kann zu sehr wertvollen Erkenntnissen führen. Vor einiger Zeit hatte ich einer Klientin quasi als Hausaufgabe mitgegeben, sich genau dieser Fragestellung, ganz individuell, einmal zu widmen. Heute berichtete sie mir nun ganz begeistert von ihren Erkenntnissen.
Ihr war, zum ersten Mal seit langer Zeit, klar geworden, wie wichtig eigentlich ein messbarer Erfolg für sie ist. Es schien eine ganz banale Situation, aber sie hatte für eine Grillparty einen Salat gemacht, von dem sie selbst schon fand, dass er ihr ganz gut gelungen war. Als sie dann auf der Party viel Lob und viele Fragen nach dem Rezept bekam - und ihr Salat der erste war, der zur Neige ging - fühlte sie eine Zufriedenheit wie schon lange nicht mehr.
Das führte sie auf die Frage, warum sie in ihrem Job diese Zufriedenheit viel zu selten empfindet. Gelobt hat sie dort schon lange niemand mehr. Aber wenn sie ehrlich war, gab es dafür auch wenig Grund: Sie war eigentlich selbst selten wirklich glücklich mit dem, was sie leistete. Sie meinte, ihr fehle das „Rezept“, um im Job ähnlich erfolgreich zu sein wie mit dem Partysalat.
Wir haben dann ein wenig über ihre Analogie gesprochen und dabei wurde ihr auch klar, dass es nicht nur um das „Rezept“ geht. Es gehört mehr zu einem Erfolg, als einfach Rezepte zu verfolgen. Für die Party hatte sie sich Gedanken gemacht, welcher Salat wohl geeignet sei. Analyse und Zielsetzung: Was passte zu der Party, zu den Leuten? Was wäre etwas Besonderes? Mit einem 08/15-Nudelsalat, nach Rezept gekocht, hätte sie wohl kaum punkten können ... da war sie sich sicher.
Letztlich geht es also immer darum, nicht nur einfach ein Rezept zu haben, sondern das passende zur richtigen Zeit auszuwählen und optimal umzusetzen. Aber in ihrem Job fehlt ihr dazu eine Menge: Da sie oft nicht wirklich weiß, wofür etwas wichtig und gut ist, bleibt die Zielsetzung vage und eine gezielte Analyse des optimalen Vorgehens ist kaum möglich. Und so kann sie - im übertragenen Sinne - auch nicht in einem geeigneten Rezeptbuch nachschlagen, um eine passende Lösung zu finden. So bleibt das Ergebnis oft hinter den Möglichkeiten und Erwartungen zurück. Frust statt gefühlter Erfolg. Leere statt Zufriedenheit.
Was meine Klientin für sich da erarbeitet hat, ist einer der Grundbestandteile des Z-Faktors: die sinnstiftende Tätigkeit. In ihrer Arbeit fehlt ihr oft der Sinn und damit die klare Zielsetzung ... warum das so ist, muss sie nun gezielt erforschen. Aber ohne das Verständnis für den Sinn ist Erfolg kaum planbar. Und so führt eines zum anderen - und häufig eben in die Unzufriedenheit.
Wie steht es mit Ihnen: Kennen Sie Ihre Ziele? Sehen Sie den Sinn?
Das Große ist nicht, dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein.
— Sören Kierkegaard
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