Wertebewusstsein: Veränderte Werte - veränderte Karriere
Unsere Vorstellungen von Erfolg und Karriere scheinen für viele klar und werden selten infrage gestellt. Ob Haus, Auto, Urlaub, Hobbys oder Karriereweg – hinterfragt wird selten, woher diese Ziele stammen und was sie wirklich für einen persönlichen Stellenwert haben.
Manchmal führen einschneidende gesundheitliche, private oder berufliche Erlebnisse dazu, dass über die eigenen Werte nachgedacht wird: Herzinfarkt, Hörsturz, das Ende einer seit langem nur noch als Fassade gelebten Beziehung oder auch der unerwartete Verlust des Arbeitsplatzes können zum Umdenken führen. Aber es müssen gar nicht derart einschneidende Erfahrungen sein, die zu einem neuen Wertebewusstsein führen können.
Immer öfter brechen ganz normale Menschen aus ihrer Routine aus, hinterfragen ihre Wertewelten und realisieren einen lange gehegten Traum:
- Der Schweizer Herzchirurg Dr. med. Markus Studer ließ den Klinikalltag hinter sich und machte sich als Fernfahrer selbständig: http://www.markus-studer.ch
- Dr. Andrea Scholdan, ehemals praktizierende Ärztin und seit Jahren Wohlfühl-Köchin aus Leidenschaft gründete mit Laurence Koblinger in Wien die Suppenküche Suppito, in der ausgefallene Eintöpfe und Suppen nach der 5-Elemente-Methode gekocht werden: http://www.suppito.at
- Andrea Sixt aus München hängte nach einer Brustkrebserkrankung ihren ungeliebten Job als Ingenieurin für Versorgungstechnik an den Nagel und startete eine neue Karriere als Drehbuch- und Sachbuchautorin. Ihr Motto: Ich liebe, was ich tue.
Das sind nur drei Beispiele von vielen - die Liste ließe sich beliebig verlängern. Natürlich erfolgt der Wechsel nicht immer ganz freiwillig und gezielt. Doch immer häufiger machen sich nicht nur Führungskräfte Gedanken über eine zweite Karriere – die neue, häufig alternative Karriere nach dem ersten Berufsleben. Vielfach wollen sie dabei bewusst aus ihrer alten Branche ausbrechen, das Hobby zur Berufung machen oder sich in einem neuen Umfeld beweisen.
Dahinter steht vielfach ein innerer Wertewandel: Deckt sich das, was ich seit 20 Jahren mache, eigentlich noch mit dem, was mir wirklich wichtig ist?
Die Amerikaner sprechen von Mid-Career Crisis. Mit Mitte dreißig beginnen viele, ihr Leben zu hinterfragen: Ist das noch mein Traumberuf? Will ich so noch über 30 Jahre bis zur Rente verbringen? Mit der eigenen Zufriedenheit geht es bergab. Mancher kündigt irgendwann innerlich – Studien gehen von bis zu 50 Prozent aus. Das Gehalt als Schmerzensgeld? Urlaub, Auto, Haus, Pool und Golfclub als Placebo für erlittene Qualen?
Nicht jeder zieht unmittelbar die Konsequenz, bricht mit der bisherigen Tätigkeit und baut sich eine neue Karriere auf. Auch wenn in schwierigen Wirtschaftssituationen tendenziell eher die Bereitschaft besteht, sich mit Mittelmäßigkeit und Unzufriedenheit abzufinden und zu „überwintern“, starten Betroffene immer häufiger eine ganz neue Karriere mit einem ganz anderen Wertebewusstsein.
Dabei erfolgt der Wechsel nicht immer komplett durch eigenen Antrieb, sondern wird durch den Verlust des Arbeitsplatzes oder die Veränderungen von Rahmenbedingungen notwendig. In solchen Fällen kann auch eine Outplacement-Beratung dazu beitragen, dass jemand eine ganz neue Berufung in sich entdeckt und vielleicht lange verschollene Interessen und Fähigkeiten zur Grundlage einer neuen, befriedigerenden Karriere macht.
Geld: ein Mittel, um alles zu haben bis auf einen aufrichtigen Freund, eine uneigennützige Geliebte und eine gute Gesundheit.
— George Bernard Shaw
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