Wie merke ich, dass ich in meinem Job unzufrieden bin?
Wieder einmal eine Frage eines Lesers: “Wie merke ich eigentlich, dass ich in meinem Job unzufrieden bin?” Eine sehr gute Frage, denn viele meiner Klienten haben die Situation erst realisiert, als es fast schon zu spät war. Aber je früher man Symptome wahrnimmt, umso eher besteht die Chance, aktiv gegenzusteuern - und dann muss es auch nicht zu einem Jobwechsel kommen.
Überforderung kann ebenso zu Unzufriedenheit im Job führen wie Unterforderung. Aber auch das Arbeitsklima, nicht ausgesprochene Ängste, kumulierter Frust und vieles andere mehr kann die Unzufriedenheit steigern. Gar nicht zu reden von Stress, fehlender Anerkennung, persönlichen Reibereien, ineffizienten Arbeitsabläufen, dem berühmt-berüchtigten Gefühl, nur ein kleines Rädchen im großen Getriebe zu sein usw. usf. Setzen Sie diese Liste beliebig fort und überlegen Sie, was Ihre Unzufriedenheit befördert!
Wichtig ist es daher, dass Sie sich selbst beobachten - führen Sie ein “Emotionstagebuch”!
Darin notieren Sie immer, wenn Sie sich in Ihrem Job
- überfordert,
- unterfordert,
- gelangweilt,
- gestresst,
- ausgenutzt,
- übergangen,
- gefrustet,
- schlecht bezahlt,
- unfair behandelt
- oder sonstwie unwohl fühlen.
Viele dieser Gefühle lassen sich leicht einer ganz konkreten Situation zuordnen - und wenn diese häufiger auftritt sollten Sie sich sich bemühen, Abhilfe zu schaffen.
Aber es gibt noch mehr - unterschwellige Faktoren, die sich schwerer fassen lassen: So kann einfach der Weg zur Arbeit nervig und lang sein, so dass Sie bereits gestresst ankommen. Vielleicht ist es Ihnen auch immer wieder zu kalt, zu warm oder es zieht - gerade moderne Klimaanlagen können das körperliche und seelische Empfinden negativ beeinflussen. Das Gleiche gilt für falsche Lichtverhältnisse (zu hell, zu dunkel, geblendet, ...), die Geräuschkulisse, die die Konzentration unbewusst stören kann, den Arbeitsplatz an sich (zu klein, Großraumbüro ohne Privatsphäre, unbequemer Stuhl, unergonomische Ausgestaltung, ...) etc.
Und auch, wenn Sie persönliche Probleme haben, werfen Sie diese nicht vor der Bürotür ab, sondern tragen sie mit sich den ganzen Tag herum. Finanzielle Sorgen, Probleme in Partnerschaft und Familie, latente (vielleicht objektiv unbegründete) Ängste vor Job- oder Gesichtsverlust beeinflussen Ihre Gefühlswelt auch während der Arbeit und können dafür sorgen, dass Sie bestimmte Situationen unbewusst anders werten als sonst.
Ein Emotionstagebuch ist ein wertvolles Hilfsmittel, um der eigenen Gefühlswelt und den Auslösern gezielt auf die Spur zu kommen. Insbesondere hilft es dabei, wiederkehrende Störfaktoren zu erkennen und sie gegebenenfalls abzustellen.
Das Leben sähe anders aus, wenn wir, statt über die Lieblosigkeit in der Welt zu klagen, etwas gegen die Lieblosigkeit in uns selbst tun würden.
— Rainer Haak
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